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Klassenkampf? Ist das nicht ziemlich retro? Überholt? Von gestern? Haben wir das nicht hinter uns gelassen?

Es stimmt, Klassenkampfrethorik wirkt veraltet, irgendwie falsch. Aber woran liegt das? Wenn wir uns die ökonomische Realität anschauen, dann kann es nicht dran liegen, dass es keine Klassen mehr gibt. Oder dass diese Klassen keine offensichtlich gegensätzlichen Interessen hätten. Die Ausbeuter*innenklasse ist reich und mächtig wie nie, das Gefälle zu den Lohnabhängigen ist größer als im Feudalismus. Das war aber nicht immer so und das muss auch jetzt nicht so bleiben.

Währenddessen hat die Klasse der Lohnabhängigen mehr oder weniger einseitig einen großen Teil unserer Waffen niedergelegt und unser Schicksal akzeptiert, während die Ausbeuter*innen weiterhin brutal Klassenkampf führten und sich auf unser aller Kosten immer schamloser bereicherten.

Es geht hier in erster Linie um den europäischen bzw. westlichen Kontext. Hier erreichten sozialistische und sozialdemokratische Parteien in den Nachkriegsjahrzehnten beachtliche Erfolge und die Gleichheit in der Gesellschaft nahm, langsam aber stetig, zu.

Die tödliche Irrlehre des Neoliberalismus hat diese Entwicklung beendet und umgekehrt. Unter der Anleitung dieser gefährlichen Extremistinnen haben Politikerinnen aller Parteien in den letzten Jahrzehnten eine ungerechte und ausbeuterische Welt geschaffen, die nur der Ausbeuter*innenklasse dient. Und ja, Ausbeuter*innenklasse ist die korrekte Bezeichnung.

Niemand wird mit der eigenen Hände Arbeit Milliardär*in. Das geht nur, wenn man den Wert der Arbeit anderer Menschen an sich reißt, also wenn man die, die Arbeit machen, ausbeutet. Man nimmt ihnen einen guten Teil des Wertes ihrer Arbeit weg. Das ist eine Frage von Macht, nicht von Talent, von Einfluss, nicht von Fleiß, und von Glück, nicht von Gerechtigkeit.

Dieser Podcast heißt Klassenkampf, weil dieser Kampf hier und jetzt, in diesem Moment, stattfindet: brutalen Klassenkampf von oben. Aber das ist nicht die einzige Richtung, in die der Kampf geführt werden kann.

Klassenkampf ist kein schmutziges Wort, sondern die richtige Beschreibung dessen, was der tödliche Neoliberalismus und seine treuen Diener*innen in Politik und Medien betreiben. Klassenkampf von oben. Und Klassenkampf ist auch die richtige Bezeichnung für das, was gegen diese Ausbeutung hilft.

Wenn bürgerliche Journalist*innen und Politiker*innen darüber jammern, dass linke Parteien „klassenkämpferische Töne“ von sich geben würden, dann kann man nur sagen gut, na endlich!

Die Klasse der Lohnabhängigen und die Parteien die ihre Interessen vertreten (sollten) haben Klassenkampf einseitig eingestellt, das Ergebnis ist das wir heute in einer dystopischen Zukunft leben, in der Menschen trotz nie dagewesenen Reichtums und technologischen und medizinischen Fortschritts an behandelbaren Krankheiten verrecken und grundlos verhungern, während moralisch verkommene Ausbeuter wie Jeff Bezos und Elon Musk gefeiert statt verhaftet und enteignet werden. Es ist höchste Zeit, dass die Linke den Klassenkampf wieder vom Kopf auf die Füße stellt, und ihn von unten gegen oben führt.

Lizenz

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Verwechslungsgefahr
Dieser Podcast und die gleichnamige Gruppe Klassenkampf (österreichischen Sektion des Kollektivs Permanente Revolution (COReP)) sind voneinander völlig unabhängig. Mehr zu den Kolleg*innen auf ihrer Website.